FÜR SIE DA wvr
Drei Säulen der Sicherheit
Unsere Aufgabe ist es, die Menschen zuverlässig mit Trinkwasser in einwandfreier Qualität zu versorgen. Heute und auch in der Zukunft!
Hierfür müssen wir jedoch verschiedenen Herausforderungen begegnen, allen voran den Folgen des Klimawandels. Ein großes Problem sind die immer häufiger auftretenden Hitzesommer mit andauernder Trockenheit, hohen Temperaturen und den damit verbundenen Spitzenabnahmen von Trinkwasser.
Doch auch Starkwetterereignisse, Cyberangriffe oder Stromausfälle stellen ein Risiko für eine sichere Trinkwasserversorgung dar. Diesen Herausforderungen möchten wir mit unserem Risiko- und Krisenmanagements begegnen.
Niedrigwasser beim Rhein in Nackenheim (November 2021)
Risiko Blackout
Ein Risiko für die Sicherheit der Wasserversorgung ist ein Stromausfall in unserem wichtigsten Wasserwerk in Guntersblum. Zwar wird die Wahrscheinlichkeit im Rahmen unseres Risiko- und Krisenmanagements noch als gering eingeschätzt, das mögliche Schadensausmaß bei einem Blackout, nämlich der Komplettausfall der Trinkwasserversorgung, dagegen als sehr hoch. Hier wären nämlich mehr als 300.000 Menschen betroffen. Mit der Bereitstellung von jährlich rund 11 Mio. m³ Trinkwasser (2024) gehört das Wasserwerk Guntersblum zu den bedeutendsten in Rheinland-Pfalz. Es sorgt für Rheinhessen und auch den angrenzenden östlichen Teil des Nordpfälzer Berglandes für die erforderliche Versorgungssicherheit. Demnach ist dieses Wasserwerk in der gegenwärtigen wasserwirtschaftlichen Grundstruktur unersetzlich.
Im Sinne der Vorsorge haben wir daher diesen wichtigen Standort mit drei Säulen abgesichert:
- Netzersatzanlage
- Unterbrechungsfreie Stromversorgung
- Freiflächen-PV Anlage
Netzersatzanlage und Unterbrechungsfreie Stromversorgung
2022 konnten wir als ersten Schritt die Hybrid-Netzersatzanlage (NEA) einweihen. Die Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) ist hier integriert.
Die NEA ist dabei modular aufgebaut. Sie besteht aus einem Container mit Diesel-Notstromaggregat und zwei hochwassersicheren Tankcontainern. Im Hinblick auf die Vermeidung des Auslaufens von Diesel sind diese doppelwandig ausgestaltet und verfügen zur Absicherung zusätzlich über eine Leckageüberwachung. Die NEA liefert eine Leistung von bis zu 3 Megawatt und verfügt über eine Rauchgasreinigungsanlage zur Entfernung von Ruß und Stickoxiden, die um den Faktor 5 besser ist, als der Gesetzgeber es vorschreibt.
Das Wasserwerk würde jedoch auch mit einer NEA bei Netzstörungen zunächst ausfallen und müsste in einem aufwendigen Prozess wieder angefahren werden, sobald die NEA gestartet und hochgefahren ist. Um eine solche Unterbrechung zu vermeiden, wird sie durch die USV (Batterie- und Leistungselektronik-Container) ergänzt. NEA und USV bilden zusammen eine Einheit, eine sogenannte Hybrid-NEA. Die Hybrid-NEA ist auf ein Hochwasser mit HQextrem und eine Erdbebenzone 2 bemessen.
Resilienz-Photovoltaik-Anlage
Um die Resilienzfähigkeit bei einem flächendeckenden Stromausfall weiter auszubauen, wurde die Hybrid-NEA zusätzlich um eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage ergänzt (PV-Anlage). Sie wurde auf einer rund drei Hektar großen Fläche unmittelbar neben dem Betriebsgelände dem Wasserwerk in Guntersblum umgesetzt. Bei voller Sonneneinstrahlung kann die Anlage eine Leistung von 4,3 MWp erzeugen. Eingeweiht wurde dieses Bauwerk im Jahr 2024.
Rund ein Drittel der benötigten Gesamtenergie der stromintensiven Trinkwasserversorgung kann die wvr auf diese Weise klimaneutral selbst abdecken und leistet damit auch einen Beitrag zur Energiewende. Doch im Fokus steht vor allem die Sicherheit der öffentlichen Trinkwasserversorgung der Menschen in Rheinhessen und der Nordpfalz.
Neben der bereits etablierten NEA und der USV bildet die PV-Anlage in Guntersblum nämlich die dritte Säule, um das Wasserwerk Guntersblum komplett autark betreiben zu können – zumindest, wenn die Sonne scheint.
Bei gutem Sonnenschein kann dabei nicht nur das Wasserwerk vollständig von der PV-Anlage versorgt, sondern auch Überschussstrom in die Großbatterieanlage des Wasserwerks eingespeist werden, um dieses auch in den sonnenärmeren Abendstunden zu versorgen. Wird tagsüber noch mehr Leistung erzeugt, als Wasserwerk und Großbatterie aufnehmen können, so wird der Überschuss in das 20kV-Ntz eingespeist und bilanziell an anderen Abnahmestellen der wvr genutzt. Ein enorm wirtschaftlicher Vorteil.
Die PV-Anlage macht für Wasserversorgungsunternehmen viel Sinn. Denn gerade im Sommer, wenn die Sonne am stärksten scheint, besteht auch der höchste Wasserbedarf und damit der höchste Energiebedarf. In jedem Fall steigert die wvr damit ihre Autarkie enorm, also die Fähigkeit, sich selbst unabhängig mit Strom zu versorgen.
Knapp zwei Jahre waren erforderlich von der Erstellung der Machbarkeitsstudie, über die intensive Einbindung und Diskussion mit der Kommunalpolitik bis zum Bau, der auch den „Leitfaden für naturverträgliche und biodiversitätsfreundliche Solarparks“ berücksichtigte und daraus abgeleitete umfangreiche Öko-Maßnahmen beinhaltet.
So hat die wvr in Guntersblum die Reihen der PV-Module ganz bewusst mit drei Meter Abstand aufgestellt, um dadurch genug Raum für Flora und Fauna zu lassen. Regionales Saatgut wurde eingesät, Bäume und Sträucher am Rand der Anlage gepflanzt . Umgesetzt sind zudem ein Amphibiengewässer, Wälle aus Totholz, Steinhügel, Sandhaufen, die Erdbienen und Kleintieren einen Lebensraum ermöglichen. Außerdem wurde ein Blendschutz für Radfahrer montiert.
Um die drei Millionen Euro betrug das Investitionsvolumen für den Guntersblumer solaren „Resilienz-Park“, dessen Module bewusst nicht nach Süden, sondern nach Osten und Westen ausgerichtet sind, um über den Tagesgang eine gleichmäßige Stromerzeugung zu ermöglichen. Die Anlage wurde auch über Fördermittel durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Höhe von 500.000 Euro mitfinanziert.
Zukunftsperspektive - Reicht unser Wasser?
Im Gegensatz zu Grundwasser ist Uferfiltrat als Rohwasserquelle klimarobuster. Zwar sinkt auch der Rheinpegel in heißen und trockenen Perioden ab, da die Brunnen in Guntersblum jedoch bis zu 60 Meter tief sind, hatten wir bislang hier keine Probleme.
Die Herausforderungen werden jedoch immer größer. Weitere Konzepte und Anpassungen sind daher zwingend von Nöten, um auch weiterhin eine zuverlässige Wasserversorgung zu ermöglichen. Hieran arbeiten wir im Rahmen unseres Risiko- und Krisenmanagements.